Das chronische Lymphödem


chronisches Lymphödem

Das Lymphsystem ist ein wichtiges Drainage- und Transportsystem unseres Körpers, das eine zentrale Rolle in der Krankheitsabwehr einnimmt. Die wichtigste Aufgabe des Lymphsystems besteht in dem Abtransport der Gewebsflüssigkeit, indem täglich ca. 2 Liter in das venöse System zurückgeführt werden. Das Lymphsystem durchzieht den ganzen Körper und besteht aus einem Netzwerk von Lymphknoten und Lymphgefäßen. Ein Mensch besitzt ca. 600 Lymphknoten, wovon besonders viele am Hals, an den Achseln, in der Leiste und entlang des Magen-Darm-Traktes liegen.

1. Was ist ein chronisches Lymphödem?

2. Was sind die Ursachen des chronischen Lymphödems?

3. Wie wird ein chronisches Lymphödem diagnostiziert?

4. Welche Stadien eines chronischen Lymphödems werden unterschieden?

5. Welche Therapien werden bei einem chronischen Lymphödem angewendet?

6. Wie erfolgt die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)?

7. Welche operativen Therapien existieren?

8. Inwiefern unterscheidet sich das Verfahren von SENTINEL LIFE von den bestehenden Therapien?

9. Unter welchen Problemen leiden Patientinnen und Patienten mit einem chronischen Lymphödem?

chronisches Lymphödem, Lymphsystem

1. Was ist ein chronisches Lymphödem?

Das chronische Lymphödem ist im unbehandelten Zustand eine progressive Erkrankung, die als Folge einer primären oder sekundären Schädigung des Lymphdrainagesystems auftritt. Durch diese Schädigung kann kein ausreichender Abtransport der Gewebsflüssigkeit durch das Lymphsystem gewährleistet werden. Die Ansammlung der Gewebsflüssigkeit führt zu einer Volumenzunahme an der betroffenen Stelle. Mit zunehmender Schwere der Erkrankung verursachen Umbauprozesse eine Verhärtung des Gewebes (Fibrose).

 

2. Was sind die Ursachen des chronischen Lymphödems?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den angeborenen (primären) und erworbenen (sekundären) Lymphödemen. Die primären Lymphödeme sind auf eine genetische Prädisposition zurückzuführen. Sie werden vererbt oder entstehen durch eine spontane Genmutation. Oftmals treten die primären Lymphödeme im jungen Erwachsenenalter in Erscheinung. Die sekundären Lymphödeme entstehen als Folge verschiedener Erkrankungen, Verletzungen und Therapien. In den häufigsten Fällen sind Krebstherapien die Ursache für ein sekundäres Lymphödem. Im Zuge einer Krebstherapie werden oftmals Lymphknoten operativ entfernt und zusätzlich eine Bestrahlung angewendet, die zu einer weiteren Schädigung des Lymphsystems führen kann. Das Auftreten von sekundären Lymphödemen nach malignen Erkrankungen (meist im Brust- und Beckenbereich) wird häufig noch Jahre nach der Therapie beobachtet.

 

3. Wie wird ein chronisches Lymphödem diagnostiziert?

Die Diagnose eines chronischen Lymphödems erfolgt durch den behandelnden Arzt, der in einem ersten Schritt eine ausführliche Befragung (Anamnese), Betrachtung (Inspektion) und Betastung (Palpation) durchführt. Im Rahmen der Betastung ist das Stemmersche Zeichen von großer Bedeutung: Bei einem Lymphödem lässt sich die Haut an den Zehen nicht in Form einer Hautfalte abheben. Die fehlende Abhebbarkeit der Zehenhaut bedeutet ein positives Stemmersches Zeichen und spricht für das Vorliegen eines chronischen Lymphödems. Neben der klinischen Untersuchung können weitere Diagnostikmethoden angewendet werden, wie dem Ultraschall, der Isotopenlymphographie, der indirekten Lymphographie und der Fluoreszenzmikrolymphographie.

 

4. Welche Stadien eines chronischen Lymphödems werden unterschieden?

Je nach Ausprägung werden 4 Stadien des chronischen Lymphödems unterschieden:

  • Stadium 0 - keine Schwellung trotz bekannter Schädigung des Lymphsystems
  • Stadium 1 - Ödem von weicher Konsistenz; Hochlagern reduziert Schwellung
  • Stadium 2 - Ödem mit Verhärtung des Bindegewebes; Hochlagern ohne Wirkung
  • Stadium 3 - Ödem mit extremer Volumenzunahme; Verhärtung des Bindegewebes und der Haut; häufig Hauterkrankungen (sog. Elefantiasis)

 

5. Welche Therapien werden bei einem chronischen Lymphödem angewendet?

Der größte Teil der Patientinnen und Patienten wird mit der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) als Standardtherapie auf konservative Weise behandelt. Daneben gibt es eine Reihe operativer Verfahren, von denen sich jedoch keine als Standard durchgesetzt hat. Für eine medikamentöse Therapie des chronischen Lymphödems stehen derzeit keine Arzneimittel zur Verfügung.

 

6. Wie erfolgt die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)?

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) besteht aus folgenden Komponenten, die je nach Bedarf angewendet werden:

  • manuelle Lymphdrainage
  • Kompressionstherapie mit Wechselbandagen und Kompressionsstrümpfen
  • entstauende Bewegungs- und Atemübungen
  • Hautpflege

Die Behandlung erfolgt in 2 Phasen. In Phase I wird die rückgestaute, eiweißreiche Gewebsflüssigkeit mobilisiert, wodurch die Bindegewebsmehrungen reduziert werden. In Phase II wird der erzielte Therapieerfolg optimiert und konserviert. Die komplexe physikalische Entstauungstherapie erfolgt in der Regel von einer/m speziell ausgebildeten Physiotherapeutin/en in ambulanter Behandlung oder in schwereren Fällen stationär in entsprechenden lymphologischen Fachkliniken. Nachteil der komplexen physikalischen Entstauungstherapie ist die rein symptomale Therapie, die häufig ein Leben lang durchgeführt werden muss.

 

7. Welche operativen Therapien existieren?

Grundsätzlich wird zwischen rekonstruktiven (wiederherstellenden) und ablativen (resezierende) Operationsverfahren unterschieden. Die rekonstruktiven Verfahren setzen an der kausalen Ursache an, wohingegen die ablativen Verfahren lediglich die Symptome mildern.

Rekonstruktive Verfahren:

  • Transplantation von Lymphknoten
  • Transplantation von Lymphgefäßen
  • Lymphovenöse Anastomose (Verbindung von Lymph- und Venensystem)

Ablative Verfahren:

  • Liposuktion (Fettabsaugung)
  • Geweberesektion (Entfernung von Gewebe)

In den vergangenen Jahren hat sich die Transplantation von Lymphknoten als die vielversprechendste Methode der operativen Verfahren herausgestellt. Dennoch hat sich keine der genannten Operationsmethoden als Standard etabliert.

 

8. Inwiefern unterscheidet sich das Verfahren von SENTINEL LIFE von den bestehenden Therapien?

Basierend auf den existierenden  Techniken der Transplantation von Lymphknoten sollen durch den Einsatz modernster Biomaterialien die Therapieergebnisse signifikant verbessert werden und gleichzeitig die Operations- und Nachfolgerisiken reduziert werden.

Bitte beachten Sie, dass sich das Verfahren von SENTINEL LIFE noch im Forschungsstadium befindet. Innerhalb einer klinischen Studie sollen erste Patientinnen und Patienten voraussichtlich im Jahr 2018 mit dem neuen Verfahren behandelt werden.

 

9. Unter welchen Problemen leiden Patientinnen und Patienten mit einem chronischen Lymphödem?

Am stärksten leiden die Betroffenen unter dem erhöhten Volumen und dem damit verbundenen, abweichenden Erscheinungsbild, den Bewegungseinschränkungen und den Schmerzen, sowie dem erheblichen Aufwand, den eine konservative Therapie mit sich bringt. Daneben klagen zahlreiche Patientinnen und Patienten über ausgeprägte Hautspannungen und Wetterfühligkeit. Die Lebensqualität der Betroffenen ist in ungefähr 75% aller Fälle stark bis sehr stark eingeschränkt.